Wo ist Mila?
Wo ist Mila?

Wer ist Mila?

Name: Mila

Alter: 16

Herkunftsland: Nigeria

Aussehen: dunkelbraune Haare und dunkle Haut, fast schwarze Augen, Locken, eher klein, aber kräftig gebaut, praktische Kleidung

Sprachen: Hausa, Igbo, Yoruba und Englisch

Familiärer Hintergrund: gerade Waise geworden – Mutter kürzlich verstorben, „Stadtkind“, nicht religiös, entfernte Verwandte in Deutschland

Milas Geschichte

Ich hatte gewusst, dass meine Mutter früher oder später sterben würde. Von dem Tag an, als die ersten Symptome von Malaria auftraten, hatte ich es gewusst. Doch trotzdem traf es mich völlig unvorbereitet.

Schon seit Tagen hatte sie nur noch im Bett liegen können, hustend und glühend vor Fieber. Ich hatte sie praktisch dazu zwingen müssen, sich zu schonen.

Somit fielen ihre täglichen Pflichten mir zu.

Wer sollte sich denn sonst um sie kümmern? Ich hatte keine Geschwister und auch mein Vater war schon seit langer Zeit tot. Erschossen. Mehr wusste ich nicht. Meine Mutter sagte oft, ich sähe ihm ähnlich, die großen dunklen Augen, das schwarze wild gelockten Haar – nur größer ist er natürlich gewesen, ich war klein, ganz wie meine Mutter. 

 

Ich erinnere mich noch, wie mir der schwere mit Wasser gefüllte Krug aus den Händen glitt und am Boden zerschellte, als ich ihr starres Gesicht zwischen den schmutzigen Laken sah.

Sie hätte auch schlafen können. Doch ich sah schon von weitem, dass sie tot war. Etwas fehlte. Etwas war erloschen. Trotzdem eilte ich zu ihr, legte ihr die Hand auf die kalte Stirn. Lauschte nach ihrem Atem. Rief ihren Namen – doch nichts.

 

An die nächsten Tage erinnere ich mich kaum. Der Dorfälteste Abujas kam mit einigen Männern. Sie holten meine Mutter. Es wurde auf mich eingeredet, tröstende Worte. Ich wurde umarmt von Bekannten, von Freunden. Ich nahm alles wie durch einen trüben Schleier wahr.

Ich war nicht da, als sie meine Mutter beisetzten. Das Leben im Dorf schien mir plötzlich so fern, so unwirklich. Irgendwie war meine Mutter das einzige Bindeglied zu ihnen gewesen.

Und nun war sie fort.

Außer ihr hatte ich niemanden. Nicht einmal Freunde oder Verwandte. Nicht hier.

Der einzige lebende Verwandte, von dem ich wusste, war ein Onkel, der in Europa lebte. In Deutschland.

Meine Mutter hatte ihn einmal erwähnt, beiläufig.

Sie sagte, er habe es jetzt sicher gut, da, in Europa. Dort wäre alles einfacher. 

Einige Male hatte sie gesagt, sie wäre auch so gerne gegangen. 

Doch damals als mein Onkel losgezogen war, bin ich grade erst geboren worden. Es wäre unmöglich gewesen, mit einem Kind die Reise anzutreten.

 

Ich war allein. Niemand würde mich aufhalten, würde ich einfach gehen. Dieser Gedanke brachte mich dazu, meinen Entschluss zu fassen. 

Ich würde gehen.

Bitte auch deine Freunde,

Mila zu helfen:

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